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Gefühle und Emotionen

Unterschied zwischen und Umgang mit Gefühlen und Emotionen

Was sind Gefühle und was sind Emotionen? 

Es gibt, meiner Ansicht nach, letztendlich nur wenige echte Gefühle. Diese Gefühle sind dazu da, um mit bestimmten Lebenssituationen besser umgehen zu können. Es gibt Traurigkeit, Wut, Liebe, Freude und Scham. Das Gefühl der Traurigkeit gibt uns die Chance, eine Lebenssituation, die sich nicht ändern lässt, so zu akzeptieren, wie sie ist. Erst wenn das geschehen ist, fließt das Gefühl von Traurigkeit wieder ab. Wut ist ein Gefühl, welches uns dabei hilft, uns zu verteidigen in einer lebensbedrohlichen Situation. Es ist auch dafür da, um im Leben Ziele zu erreichen und aktiv zu sein. Ist der Angriff abgewehrt, das Ziel erreicht oder die Aktivität vorbei, kommt diese Energie wieder zur Ruhe. Scham ist ein Gefühl, das uns dabei hilft, uns selbst zu reflektieren, um herauszufinden, ob wir in einer bestimmten Situation unsere Verantwortung übernommen haben. Wenn dies geschehen ist, fließt auch dieses Gefühl ab.

 

Liebe und Freude haben eine Sonderstellung unter den sogenannten Gefühlen. Sie gibt es in unterschiedlichen Formen. Liebe in eine Form gebracht bedeutet, sie durch vorherige Gedanken zu aktivieren, wie z. B. Ich liebe dich, weil…. du genauso bist, wie ich mir das wünsche. Diese Form würde ich als Gefühl bezeichnen. Dieses Gefühl verbindet für eine Zeit. Das Gefühl endet, wenn die Vorstellung nicht mehr mit der Realität übereinstimmt. Mit der Freude als Gefühl ist es genau so. In eine Form gebracht würde sie z. B. ausgelöst durch den Gedanken ….. "Ich freue mich, dass du mich liebst bzw. mir etwas Gutes tust" oder: " Ich freue mich auf den nächsten Urlaub." Dieses Gefühl ist Bewegung und bewegt. 

Sobald das Ziel erreicht ist, z. B. der nächste Urlaub, erlischt die Freude früher oder später, und die Bewegung hört auf.

Liebe und Freude haben aber noch eine übergeordnete Dimension. In dieser Dimension nenne ich sie Metagefühle. Sie erfüllen hier keinen Zweck, sondern sind, da sie in dieser Dimension immer vorhanden sind, die Grundform des Lebens. Sie sind, wenn du es gelernt hast, in jedem Augenblick wahrnehmbar. Du fühlst sie als deine wahre Essenz.

Wenn du diese Liebe oder Freude fühlst, kann sie sich immer weiter verstärken. Da sie keinen Zweck erfüllen, klingen sie auch nicht zwangsläufig ab. Nur wenn sie durch ständiges Denken wieder verschleiert werden, nimmst du sie nicht mehr wahr. Liebe in dieser Dimension ist ewige Verbindung und Freude ewige Bewegung. Zusammen ist es Liebe in Bewegung.

Was geschieht, wenn Gefühle unterdrückt werden

Jetzt möchte ich darüber sprechen, was passiert, wenn du Gefühle ganz gleich welcher Art aus irgendeinem Grund nicht ausleben kannst und sie unterdrückst. Genau das lernen wir in unserer Kindheit. Wenn du das Gefühl der Freude empfindest, deine Mutter dir aber sagt,  dass die Art wie du die Freude ausdrückst gerade nicht angemessen ist, fängst du an dich zu verkrampfen, um es deiner Mutter recht zu machen. Das Gefühl wird hierbei im Energiesystem des Körpers eingeschlossen. Wenn du dich traurig fühlst, und glaubst, dass es in diesem Augenblick für den Kontakt zu deiner Mutter oder deinem Vater besser ist, fröhlich zu sein, dann unterdrückst du das Gefühl der Traurigkeit und es wird ebenfalls als komprimierte Energie im Körper eingeschlossen. Das Ganze geschieht unabhängig davon ob du ein Kind bist oder erwachsen. Immer wenn du ein Gefühl unterdrückst wird es im Energiesystem des Körpers abgespeichert. Diese unterdrückten Gefühle nenne ich Emotionen.  Im Laufe deines Leben hast du eine Menge solcher Gefühle unterdrücken müssen und das kann unterschiedliche Folgen haben. Die Ladung des Gefühls, welches nun gespeichert ist, möchte immer wieder aufgefrischt werden. Hierfür ist es notwendig, ähnliche Situationen zu erleben oder zu sehen, die dieses Gefühl wieder aktivieren. Gleichzeitig führt das unterdrückte Gefühl, da es ja jetzt als Spannung im Körper ist, zu körperlichen Beschwerden bis hin zu Krankheiten. Gefühle gibt es nur Wenige, Emotionen sind dafür vielfältiger. Deshalb möchte ich hier erst einmal nur ein Beispiel beschreiben.

Emotionen: Beispiel Wut

Emotionen sind also unterdrückte, angestaute Gefühle. Wenn z. B. Wut unterdrückt und somit zur Emotion wird, kann dies sich in plötzlichen Wutausbrüchen äußern, die den jeweiligen Situationen nicht im geringsten angemessen sind. Diese Emotion kann sich auch nach innen richten und körperliche chronische Verspannungen oder eine Autoimmunerkrankung verursachen. Sie kann auch, je nach Thema, bestimmte Verhaltensweisen bedingen. Wenn Du beispielsweise in deiner Kindheit oft von deinen Eltern verprügelt wurdest, kann es sein, dass du dazu neigst, genau dies weiter zu geben an deine Kinder oder Partner*in. Es kann aber genauso sein, dass du einen stark übertriebenen Gerechtigkeitssinn entwickelt hast, beim Thema Gewalt sehr wütend auf die Täter bist und dabei ausrastest. Oder du hast oft Fantasien, in denen du die Schwachen beschützt. Auf jeden Fall sitzt du sozusagen wie auf einem Pulverfass.

Wenn aus Traurigkeit Wut wird

Wut kann auch ein Sekundärgefühl, d. h. aus einem ursprünglichen Gefühl entstandene Emotion sein. Wenn du eine für dich nicht akzeptable Situation erlebt hast, in der du Traurigkeit empfunden hast, war es vielleicht leichter für dich Wut zu empfinden. In einer ohnmächtigen Situation gibt dir Wut den Eindruck von Macht. Hierdurch ist solch eine Situation leichter zu ertragen. In diesem Fall führt der lösende Weg von der Wut zur Traurigkeit und letztendlich zur Akzeptanz der erfahrenen Situation.

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Kommentare: 2
  • #1

    Birgit (Mittwoch, 22 Mai 2024 21:04)

    Lieber Ulrich,?
    In der Überschrift geht es um den Unterschied von Gefühlen und Emotionen, aber im Text kommen nur Gefühle vor. Ich gehe mal davon aus, dass du mit Emotionen die unterdrückten Gefühle meinst. Beim Thema Scham weiß ich nicht, ob ich dabei das Gleiche empfinde. Für mich hat Scham eher mit etwas Peinlichem zu tun und wenn man seiner Verantwortung nicht nachgekommen ist, können meiner Meinung nach Schuldgefühle entstehen….
    Möglicherweise hat dabei aber jeder seine eigene Ansicht, weil sie sich aus den eigenen Erfahrungen aufbaut.
    Viele Grüße
    Birgit

  • #2

    Birgit (Donnerstag, 23 Mai 2024 18:28)

    Lieber Ulrich,
    Danke für den neuen Artikel. Ich kann mich bei deinem Beispiel zur Emotion Wut, die sich bei mir nach innen richtet, ganz gut wiederfinden….
    Viele Grüße
    Birgit